Chronik
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Ein nach Thorn im heutigen Polen ausgewanderter Poth heiratete in die Thorner Familie Koyen, weshalb hier eine kurze Erläuterung dieser Familie folgen möge. Ein Benedict Koyen hatte am 28.8.1471 von der Zeche in Thorn sein Zeugnis als Kürschner präsentiert und in Thorn Bürgerrecht erworben.

1483 Schöffe, 1491 in den Rat gewählt und Stadtkämmerer von Thorn geworden, später als Ratsmann gestorben. 1471 vermählt mit Katharina Toydenkuß, deren Vater 1471 starb. Als dessen Geschlecht bald darauf erlosch, bzw. die letzten Nachkommen in Kriege "blieben", wurde Benedict Koyen wegen seiner ritterlichen Taten und seiner Kinder "Wohlverhalten" von seiner Obrigkeit aus hoher Gnaden mit dem Wappen des Toydenkuß belehnt und edel gesprochen. Das Wappen erbte auf das ganze Geschlecht über. Kinder: 1. Andreas, Danziger Ast 2. Katharina, verh. mit Andreas Preuß 3. Regina, diese verheiratete sich mit Adrian Poth zu Thorn. Aus dieser Ehe wurden 2 Kinder geboren: 1. Adrian Poth 2. Emerentia Poth aus "Genealogischen Handbuch bürgerlichen Familien". Verlag W. T. Breuer Berlin 1898 (aus Bd. 6 und 12) In dem 16ten Jahrhundert gab es genügend Kriege im Raum Polen, so dass sich ein Poth durchaus als Krieger Verdienste hat erwerben können. Unter Sigismund III Wasa waren die Jesuiten führend. Als dieser 1572 starb, wurde Polen durch innere Adelskämpfe geschwächt, und es ist sicher denkbar, dass der Krieger Poth sich damals abgesetzt hat und in die Heimat der Familie zurückkehrte. Wenn man annimmt, dass Hans Koyen als ältester Sohn um 1475 geboren wurde, so wird seine Tochter Regina als 3tes Kind etwa 1505 geboren sein und etwa 1530 den Adrian Poth I geheiratet haben. Deren Sohn Adrian II kann um 1550 das Wappen erworben haben als Lohn für Kriegerdienste. Dessen Sohn kann dann später in die alte Heimat zurückgekehrt sein und als Henrick Poth um 1590 die Closterhuve bebaut haben. 1542 bebaut Hermann ingen Poet die Closterhuve. 1572 bebaut Henrick ter Poeten die Closterhuve. 1590 bebaut Henricus Poth die Closterhuve als Behandeter. Weil noch keine Kirchenbücher bestanden, lässt sich dies alles nicht genau nachweisen. Weil aber das Wappen Poth immer in diesem Familienzweig bewahrt blieb, muss ein sehr naher Verwandtschaftsgrad bestanden haben. Kestner, Beiträge zur Geschichte Thorns 1882 Schmidt, Jacob, Thorn, eine Geschichte des Deutschtums im Lande Posen. 1904. 1222 schenkt Herzog Konrad von Masurien dem preußischen Bischof des Kulmer Landes eine Anzahl von Schlössern und Dörfern. Unter letzterem das Dorf Tornowa, das spätere Thorn. 1226 bestätigt Kaiser Friedrich II dem Orden den ihm von Konrad versprochenen Besitz des Kulmerlandes und verlieh dem Orden alles Land, was der Orden weiterhin den Heiden abringen würde. 1233 wurden durch die "Kulmer Handfeste" (Vertrag) die Besitzverhältnisse der Stadt Thorn und der 1233 gegründeten Stadt Kulm genau geregelt. Beide Städte erhielten das "Magdeburger" Stadtrecht verliehen. Die Bürger konnten jedes Jahr den Schultheiß und die Richter aus ihrer Mitte wählen. Östlich von der Stadt und getrennt von ihr das mächtige Ordensschloss. Angelehnt an Schloss und Stadt bildete sich die Neustadt-Thorn und erhielt 1264 das Magdeburger Stadtrecht. Beide Städte entwickelten sich getrennt, Streitigkeiten schlichtete der Landmeister des Ordens. Der Rat wählte den oder die Bürgermeister. Ein Ratsmitglied stand als Schulze vor Gericht mit Schöffen vor. Allmähliche Trennung von Verwaltung und Gerichtswesen. 1295 Es tauchen die ersten Familiennamen auf. Die ältesten Bürger stammen aus Westfalen und nannten sich nach ihrer Heimatgemeinde "von Essen", "von Dülmen". Die Leute aus Neustadt kamen meinst aus Schlesien. Thorn wurde größte Handelsstadt. Seehandel mit Flandern. Der Thorner Handel beherrschte das ganze große Hinterland. Thorn wurde immer mehr auf das polnische Handelsgebiet angewiesen. Polen förderte Thorn und es gab viel Streit mit den stolzen Ordensrittern, die auf die Bürger herabsahen. Gewalttaten der Komtur auf dem Schloss. Irgendwie trat Thorn der Hanse bei oder war vielmehr Mitbegründerin, die Hansestädte wuchsen zusammen. 1386 kam König Jagiello von Littauen und Polen an die Regierung. Er war ein großer Feind des Ordens. Handelswege wurden gesperrt, wieder eröffnet, von neuem gesperrt. 1410 Katastrophe von Tannenberg. Der Orden wurde vernichtend geschlagen von Wladislaw II Jagiello, der Krieg ging aber weiter. 1435 Friede von Presz. Die Thorner hatten sich schon 1410 ergeben, als sie sahen, dass der Orden, eingeschlossen auf der "Marienburg" ihnen nicht helfen konnte. Dann wendete sich aber das Glück. 1411 musste der Polenkönig alles Land, das er erobert hatte, dem Orden wieder zurückgeben. Es wurde ein Landtag eingerichtet, an dem die Vertreter der Ritterschaft und der großen Städte zusammentraten. Zu den 7 großen Städten, zugleich Handelsstädten, gehörte die Thorner Altstadt, die Kleineren, unter ihnen die Thorner Neustadt, wurden nur ausnahmsweise in wichtigen Angelegenheiten hinzugezogen. 1440 Bund von Rittern und Städten gegen den Orden als Schutzbund gegen dessen Übergriffen gedacht. Es gab viel Streit, weil die Ratsherren in Lübeck z. B. große Rechte hatten und sich hier in Thorn jedem gewöhnlichen Adeligen fügen sollten, den der Hochmeister als Komtur eingesetzt hatte. Außerdem verhielt der Ordensstaat sich ungeschickt, indem er zu Thorn-Neustadt hielt und so Thorn-Altstadt vor den Kopf stieß. 1454 geriet die Ordensburg in die Hände des verbündeten Ritterstädtebundes. Die Neustadt verbündete sich wohl oder übel mit der Altstadt. Ein Vertreter der Neustadt wurde in den Rat der Alt-Stadt aufgenommen, behielt auch ein eigenes Schöffencollegium. Alle leisteten den Treueid dem Rat der Stadt Alt-Thorn, dem sie Schlüssel, Siegel und alle Privilegien übergaben. 1457 Als der Städtebund gesiegt hatte, schickte auch der König von Polen einen Absagebrief an den Hochmeister der Ordensburg. Am 27. Mai zog der König mit großem Gefolge in die Stadt und bestätigte die Privilegien von König Kasimir. Die Städtische Verfassung, Gerichtsbarkeit wurden garantiert. Es wurde statt Ordensburgcomplex das Amt eines Burggrafen oder Stadthauptmann geschaffen. Der König ernannte diesen Beamten aber nur aus den Bürgern der Stadt. Später präsentierte der Rat mehrere Personen und aus denen wurde einer zum Burggraf ernannt. Die Stadt erhielt viele Ländereien aus dem Besitz des Ordens und das Münzrecht. Todfeind des Ordens war Bürgermeister Tillmann vom Wege. 1466 Frieden zwischen Orden und Polen nach dem Siege von Sigismund II August (letzter Jagellione) war reformationsfreudig. 2ter Thorner Frieden. Thorn und Culm kamen zu Polen. 1523 Aufstand der Zünfte.

1548-1572 Sigismund II August (letzter Jagellione) war reformationsfreudig. 1569-1572 Occupation des Thorner Gutes durch die Polen. Sigismund III Wasa war ein eifriger Förderer der Gegenreformation. Erzieher, später Beichtvater und schließlich Domherr zu Frauenburg im Ermland war Adrianus Steinhallen aus Rees, enger Mitarbeiter vom Kardinal. Bischof von Ermland mit Sitz in Braunsberg. Gegenreformator Polens. Dann kam der ganze Verfall Polens. Chronik von Thorn aus dem Jahre 1576 Verfasser Michel Herzog.

Thorner Denkwürdigkeit von 1346-1547

Herausgegeben von Voigt. Aus genealog. Handbuch bürgerlicher Familien, Verlag Breuer Berlin 1898 Bd. 6 und 12 Seite 112. Genealogie oder Stammregister des uralten Geschlechts der Koyen in eine gewisse und eigentliche Ordnung gebracht durch Daniel Preissen in Thorn um 1630. Gedachte Handschrift in Buchform und Goldschnitt ist sehr gut erhalten und wird Besuchern des Rathauses als Merkwürdigkeit gezeigt. Erläuterungen der Verwaltung und Einteilung Grundbesitzes vom Stift Xanten. (Siehe Großgrundherrschaft Xanten im Mittelalter von Franz Weibels.) Unter den Höfen des Stiftes Xanten nehmen die sog. Oberhöfe eine besondere Stellung ein. In ihnen darf man die alten Fronhöfe oder Salhöfe des Stiftes vermuten. Die Höfe Xanten, Ilt. Bislich, Mehr, Dorsten und Schwerte hatten wechselweise den Wochendienst für die Küche des Stiftes zu versehen, nl. Lieferungen von Naturalien und Geld, für jeden Hof genau festgelegt. Besonders wichtig waren die Fleischlieferungen. Diese Einrichtung lässt erstens darauf schließen, dass zur Zeit des Abfassens des Urbars, die "Vita communis" (in Gemeinschaft leben) der Kanoniker noch geübt wurde, und dass zweitens zu dieser Zeit einige der genannten Höfe vom Stift selbst bewirtschaftet wurden. Auf eine Eigenbewirtschaftung deutet auch eine Urkunde aus dem Jahre 1227 hin. Sie erwähnt einen villious (Bauer) des Hofes in Bislich, gleichzeitig Konomikis: "Quod dominus Ewerwinus, canonicus noster, tune Temporibus Villicus noster in Bislich, ratione offici sui" (Was Herr Ewerwinus, unser Kanonier, z. Z. unser Bauer in Bislich, auf Grund seines Amtes...). Um einen Pächter handelt es sich wohl nicht, dagegen spricht die Formulierung "Officio". Außerdem lässt sich mit Ausnahme der Kirche con Gunterblum keine Verpachtung stiftischer Güter nachweisen. Auch der Hof Xanten wurde wahrscheinlich noch bis in die Mitte des 13ten Jahrhunderts hinein vom Stift selbst bewirtschaftet. Die genannten Höfe nahmen nach 1300 die Stellung von Oberhöfen ein, denen kleinere Höfe zugeordnet wurden. Die Oberhöfe dienten als Hebestellen für die ihnen unterstellten Unterhöfe als "Leibsgewinngüter".

In Bislich war der Hof "Steenberg" der Oberhof.

Die Behandigungsgüter oder Leibgewinngüter.

Die Entstehung der Behandigungsgüter wird von den Theoretikern der Großgrundherrschaft in Verbindung mit den Katengütern der Fronhofverfassung gebracht. Es bestehen z. Z. sich widersprechende Ansichten. Für den Niederrhein hat sich Ilgen eingehend mit diesen Fragen beschäftigt, auf seine Ergebnisse wird hier weitgehend zurückgegriffen. In der Zeit in der der Großgrundbesitzer ihren Fron- oder Herrenhof, auch Salhof genannt, noch selbst bewirtschafteten, war diesen Höfen eine Reihe von abhängigen Gütern angeglichen, die die Größe eines "Mansus" = Hufe = 30 Morgen hatten. Eigentümer dieser "Hufen" war als "Dominus directus" der Grund- und Hofesherr, der sie aber zur eigenständigen Bearbeitung an die Bauern "dominus utililus" vergeben hatte. Diese Hüfner mussten dafür Zins und im begrenzten Maße Frondienste leisten. Daneben gab es "Hörigenhufen", die den Leibeigenen des Grundherren zur Bearbeitung übergeben wurden. Sie wurden auch "mansi sevilis" genannt, bei den anderen, oben erwähnten Hufengütern sprach man von "mansi letilis" woraus sich dann der Begriff "Latengüter" entwickelte. Die Unterschiede zwischen Laten- und Hörigengütern haben sich später verwischt. Mit dem Ende der Eigenbewirtschaftung wurden die Frondienste durch Geldzahlungen abgelöst.

Im Klevischen und Märkischen hat sich für die Latengüter die Bezeichnung "Behandigungsgüter" durchgesetzt. Dieser Ausdruck rührt daher, dass an der Hufe eine oder mehrere "Hände" erworben wurden. Für den Bereich des Xantener Großgrundbesitzes ist auch der Ausdruck "einen Leih gewinnen" gebräuchlich, weshalb man auch von "Leibgewinngüter" spricht.

Die Behandigung als besondere Form der Güterbewirtschaftung war am Niederrhein sehr weit verbreitet. Besonders das Stift Xanten verfügte über eine große Zahl von Behandigungs- oder Leibgewinngüter. Als Quellen dienen uns Urkunden und Akten der Güterverwaltung. Die Cellularii (Kellermeister), denen die meisten unterstanden, führten sog. "Behandigungsbücher", in denen die Größe des Gutes und die Namen der Behandigten festgehalten wurden. Zwischen den einzelnen Gütererwähnungen ließ man einen freien Raum für Nachtragungen. Das älteste Behandigungsbuch stammt laut Wilkes aus dem Jahre 1372.

Die überwiegende Zahl der Behandigungsurkunden berichtet von Behandigungen zu 3 Händen. Mit der Gewinnung einer Hand oder eines "Leibes" an einer Hufe erwarb sich der Behandigte bestimmte Rechte an dem Gut, die ihm auf Lebenszeit verblieben (Leibgewinn), sofern er nicht verzichtete. Nach altem Recht des Stiftes konnte der, der die erste Hand an einer Hufe erworben hatte, das Gut besitzen. Dieses Recht der unumschränkten Nutzung ging nach dem Tode des Erstbehandigten auf den Inhaber der zweiten Hand über. Überlebte der Drittbehandigter die zweite Hand, so kam auch er in den Genuss dieses Rechts. Der Grundherr blieb bei der Behandigung zwar Eigentümer der ausgegebenen Hufe, trat aber einen Teil seiner Rechte an den Behandigten ab. Er konnte nicht mehr frei über das Gut verfügen. Wollte der Grundherr ein Gut wieder ganz in seine Hand bringen, musste er selbst eine Hand an seinem Gut erwerben und schließlich alle Hände durch Kauf an sich bringen. Wenn aber der Behandigte seinen Verpflichtungen nicht nachkam, konnte der Grundherr die Hufe wieder einziehen, war aber verpflichtet, sie nach Anhören der anderen Laten binnen Jahresfrist wieder auszugeben. Dabei konnten die Erben des abgesetzten Laten Anspruch erheben, wenn sie sich verpflichten, die rückständigen Zinsen zu bezahlen. Gegen Zahlung einer Abfindung konnte der Eigentümer das Gut als freies Erbe zurückgewinnen. Die Leibsgewinngüter standen also in rechtlicher Stellung zwischen Pachtgüter auf Lebenszeit und Erbpachtgütern. Denn de facto waren sie Erbpachtgüter, de jure sind sie es aber nie gewesen. Von den Vitalpächtern unterschieden sich die Behandigten dadurch, dass sie ihren Zins an den Pensionario des Hofes am Gerichtstag zahlten, während die Pächter an die Kellnerei oder Präsenz zahlen mussten. Durch ein geschicktes Behandigungsverfahren blieben die meisten Güter wenigstens auf lange Zeit im Besitz einer Familie. Die erste Hand wurde gewöhnlich vom Ehemann, die zweite von seiner Ehefrau und die Dritte für eine der Kinder erworben. Falls ein Ehepaar 2 Kinder hatte und behandigen lassen wollte, wurde die dritte Hand an die Kinder gemeinsam verliehen.

Innerhalb des Stiftshagen Großgrundbesitzes nahmen die Behandigungsgüter eine wichtige Stellung ein. Sie waren organisatorisch einem der Höfe angeschlossen, in Bislich dem "Steenberg". Zu den Latengütern dieser Höfe kamen später erworbene Höfe dazu, die dann in Leibgewinnsgüter umgewandelt oder als Vitalpachtgüter einem Hof angeschlossen wurden. Nur die Inhaber der Laten- oder Leibgewinngüter konnten Mitglieder des Hofsgerichts werden, wozu eine Wahl erforderlich war. Die ursprüngliche Einheit der Latengüter in Größe von einer Hufe = 30 Morgen ist später aufgehoben worden, doch sollte er nicht weniger als ¼ Hufe sein. Die meisten waren viel größer, Hof "Swinbier" bei Xanten z. B. mehr als 15 Hufen.